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Die düsteren Momente im Patchworkalltag

Lesezeit: 3 Minuten

Sind wir als Patchworkfamilie kompatibel…

Es gibt Tage an denen man sich zu gefühlten 1000% sicher ist, dass das Konzept der Patchworkfamilie funktioniert und vor allem, dass man die richtige Person dafür ist. Und dann gibt es diesen Tag in der Mitte, diesen einen Tag dazwischen –  an dem man jedes Wort und jede Geste auf die Waagschale legt und mit dem Gefühl aus dem Kinderzimmer geht, nichts sei richtig an diesem Zusammenspiel und niemand kann glücklich sein mit dieser „Zwangsfamilisierung“. Wie kommt das und ist es legitim zuzugeben, dass die happy-sunny-Patchworkfamily auch Momente des Zweifels durchlebt?

 

Ehrlich oder höflich…

Es gibt hier immer die „höfliche“ und die „ehrliche“ Antwort – bleiben wir ehrlich, natürlich gibt es diese Momente und manchmal sogar öfter in Folge und es ist vollkommen in Ordnung! Meine Güte in unserer Elterngeneration gibt es die Eltern, die alles „rausjammern“ und diejenigen bei denen sowieso alles immer in Ordnung ist. Beide Seiten extrem und nicht alltagstauglich. Alleine die Situation einen neuen Partner in einen Familienhaushalt zu integrieren, ist schon eine Herausforderung. Kommt dann aber auch noch ein (oder mehrere) Pluskind(er) hinzu wird es knifflig. Es gilt in jeder Situation auszuloten, wer welche Wünsche und Gewohnheiten hat, wer welche Rechte und Pflichten hat und wer von den beiden Erwachsenen welche Kompetenzen vertritt. 

 

Man bekommt nur so viel vorgesetzt, wie man aushält…

Eine meiner Zweifelphasen war die erste „große“ Ausfahrt mit 4 Zwergen, wobei die Älteste erst am 7er kratzt – ein Erlebnis für sich. Wir sind extra am Abend losgefahren, mit dem Hintergedanken, dass alle dann einschlafen können (Haha). Klingt sehr gut in der Theorie – die Praxis sieht anders aus (und auch daran muss man sich gewöhnen). Es war dunkel, es hat geregnet, es waren nur Sonntagsfahrer unterwegs, die anscheinend versucht haben den Regentropfen auszuweichen und 4 Kids, die ihre Bedürfnisse alle sofort und gleich gestillt haben möchten. Trinken, Hunger, singen, Hörspiel hören und dazwischen einer, der gerne schlafen möchte. Der Lautstärkepegel steigt und die Stimmung sinkt.

 

Grenzerfahrung der eigenen Nerven…

Das ist der Punkt an dem ich an meine Grenzen stoße, da ich meinen Job als Puffer zwischen allen Beteiligten nicht mehr halten kann. Auch wenn zwei „Elternteile“ anwesend sind und keine Notwendigkeit besteht sich zu rechtfertigen oder die Situation zwangsweise zu entschärfen. Dann bin ich an einem Punkt der Resignation und hinterfrage die komplette Situation. Dann zweifel ich, ob ich dem Mann neben mir diese Verantwortung zumuten will und ob ich seinem Sohn die Alleinstellung als Einzelkind nehmen soll. Aber wenn man ehrlich ist – diese Situationen gehen vorüber! Es gibt diesen schönen Spruch, den schon unsere Großmütter verwendet haben … wo die Liebe hinfällt kann man sich eben nicht aussuchen… Die Lösung dieser Autofahrt war ein Tablet und Netflix. Nicht meine Wunschrichtung, aber in diesem Fall absolut notwendig und zielführend. 

 

Große Zweifel öffnen neue Türen…

Wenn man keine Zweifel hat – hinterfragt man nicht und sitzt betriebsblind auf der rosaroten Wolke. Es ist aber wichtig zu reflektieren und sich zu fragen: Bin ich bereit aus den Steinen, die im Weg liegen etwas zu bauen oder lass ich die Zweifel und die Ängste meine Entscheidungen treffen?  Wenn man nicht an diesem Punkt ankommt, wie soll man eine neue Etappe ohne Zweifel angehen? Die Gefühle in dieser Situation anzunehmen und sich einzugestehen, dass es jetzt gerade nicht so cosy ist bringt eine Chance sich der Sache wieder sicher zu werden. Auch das Pluskind ist einem so ans Herz gewachsen, da muss es doch für alle Probleme eine Lösung geben, oder?

 

Ein Denkmuster zur Problemlösung …

Man kann es sich einfacher machen, in dem man tief in sich hört und einem einfachen Algorithmus in Gang setzt (reine Übungssache und auf alle Problematiken des Lebens anwendbar): Will ich das? Wenn „ja“ dann hinterfrage ich es vorerst nicht und lege mein ganzes Herzblut in die Sache und genieße die Zeit und jede Gefühlslage und ja man darf wütend, traurig, zornig und voller Zweifel an dem System sein – aber man darf den Blick auf die vielen schönen Seiten nicht verlieren.  Bis zum nächsten Punkt an dem einem eine Situation zum Zweifeln bringt, dann beginnt das Spiel von vorne – und das darf es auch! Wir versuchen genügend schöne Momente zu haben, auf die man dann zurückgreifen kann. Zum Beispiel zwei wunderschöne Tage in Salzburg ohne den Zwergen und wenn ich die Augen schließe bin ich dort. Kritische Alltagssituationen lassen sich dann wieder viel besser aushalten…

 

Welche Tricks habt ihr, um nicht zu explodieren 😉 ?

Wie geht ihr mit diesen Situationen um?

Habt ihr oder seid ihr vielleicht gerade in so einer Situation, wo ihr alles in Frage stellt? 

Comments (2):

  1. Kerstin Kurz

    5. September 2019 at 7:57

    Hallo, ich kenne diese Momente nur zu gut, wir sind seit 15 Jahren in einer solchen Situation. Ich habe 2 Bonussöhne und zusammen habe ich mit meinem Mann eine Tochter. Man muss die Situationen so nehmen wie sie kommen und man sollte flexibel sein um gut reagieren zu können und gleichzeitig darf man sich selbst und den Partner nicht verlieren. Man braucht einen langen Atem und muss ständig daran arbeiten. Auch werden die Probleme nicht kleiner oder einfacher. Mit euren persönlichen Auszeiten seit ihr schon auf dem richtigen Weg. Gruß Kerstin

    Antworten
    • Die Frau

      6. September 2019 at 0:32

      Liebe Kerstin, danke für dein Kommentar. Es ist immer wieder schön zu hören, dass es anderen Menschen auch so geht. Egal ob Patchwork oder „Klassisch“ – es gibt nicht nur die schönen Momente. Sondern eben auch kniffligere und es sind alles Individuen und genau so muss man reagieren lernen. Aber wir sind eben alles nur Menschen und können auch nicht immer „korrekt“ reagieren. Wie alt sind denn die Bonussöhne und eure Tochter? Liebe Grüße 🙂

      Antworten

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