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Ein Dankeschön an mein Stiefkind

Lesezeit: 3 Minuten Wie er mich zu einer besseren Mama macht
Lesezeit: 3 Minuten

Die traurige Wahrheit

Es ist doch so. Wir fahren alle in einem gewissen Rhythmus, wir haben unseren Alltag und unsere Gepflogenheiten. Mit der neuen 30 Stunden Arbeitsstelle hat die Woche wieder einen sehr fremdbestimmten Takt. Eine Abfolge an Pflichten und Tätigkeiten, die ohne Frage schön und lustig sind und wirklich nicht negativ gemeint sind. Aber eines haben sie alle gemeinsam: Sie sind fremdbestimmt. War in meiner Lebensplanung so nicht vorgesehen, aber mit Trennung und drei kleinen Kindern sind gewisse Idealisierungen vorerst hinfällig. Und genau so sieht auch unser Alltag aus, denn nach der Arbeit werden die Kinder eingesammelt, schnell etwas eingekauft und dann nachhause. Wenn es das Wetter zulässt noch ein bisschen Fahrradfahren im Hof und dann beginnt schon das Abendprogramm. Irgendwo dazwischen wird die Wäsche in die Maschine getan, Essen gekocht und die Zeichnungen der Kinder bewundert. Ob das alles mit bewussten Leben zu tun hat, sei dahingestellt.

Der Ausstieg aus dem Hamsterrad

Es ist das erste Wochenende, an dem der kleine Mann, mein Patchworkkind, ohne seinen Papa in unserer Chaoswohnung residiert. Und mir ist wenn er da ist schon öfters etwas aufgefallen und seit heute kann ich es in Worte fassen. Der kleine Mann macht mich zu einer besseren Mama. Dadurch dass meine drei immer sich hatten und sich auch stundenlang miteinander beschäftigen können, crasht der kleine Mann unser System. Er ist es gewohnt, dass seine Spielregeln gelten und er lässt sich nicht so lange vertrösten. Er ist ein dreijähriger, der eben meistens seine Mama oder seinen Papa für sich alleine hat. Ein Privileg welches meine Zwillinge eigentlich nie hatten und es aber auch nicht anders kennen. Das Wunderbare daran ist aber, dass man sich darauf einstellt. Wenn dieses unbeschwerte Kinderlachen hereinspaziert und den Takt angibt, kommt das Hamsterrad zum Stehen und wir formieren uns neu. 

Ein neues Kennenlernen

Mir wird erst jetzt bewusst, wie sehr ich in den letzten beiden Jahren tagtäglich nur damit beschäftigt war, die Rahmenbedingungen für meine Kinder aufzustellen. Das es wohl nichts zu bemängeln gibt und ich ihnen eine Zukunft bieten kann. Und es ist auch total in Ordnung, dass in der ersten Zeit diese Dinge auch Priorität haben. Aber durch mein Stiefkind merke ich, wie oft ich meine Kinder auf später vertröste und Geduld von ihnen erwarte. Eine Geduld und Weitsicht, die sie mit 4 einfach noch nicht haben können und auch die Große mit 7 nicht immer hinten angestellt werden kann. Es ist als würde ich meine Kinder neu kennenlernen und auch unser Zusammenleben neu definieren. Wir haben heute den ganzen Nachmittag draußen im Garten verbracht und ich habe mich als böser Ninja und Gartenfee in die Spiele einbauen lassen. Wir haben gemeinsame Pläne für den Gemüsegarten geschmiedet und über alles herumgeblödelt. Ich nehme sie auch wieder viel mehr bewusst in den Arm und sag ihnen wie lieb ich sie hab. Auch eine Sache, die ich von meinem Pluskind gelernt habe, der einfach zwischendurch herkommt und seine Kuscheleinheiten einfordert. 

Neuer Tag neues Glück

Am Ende des Tages, wenn alles tief und fest schläft, beschleicht mich das Gewissen, dass ich meinen Kindern mehr Kindheit ermöglichen möchte. Mehr Ruhe und Bewusstheit in den Alltag einfädeln und quality time mit ihnen schaffen. Ich bin für diese Erfahrung und diesen Wandel, den der kleine Mann in unser Leben gebracht hat so unendlich dankbar. Der alte Trott hat unsere Beziehung zueinander nicht besser gemacht. Dabei will ich das sie zu Menschen werden, die anderen zeigen können, was sie fühlen und wie gern sie sie haben. Manchmal vergisst man das Vorleben die einzige Erziehung ist, die nicht einfach erlernt werden kann. Vor mir liegt jetzt viel Arbeit. Arbeit an mir selbst und an meinen Mechanismen, die sich eingeschlichen haben. Aber meine kleinen Lehrmeister und meine Lehrmeisterin stehen morgen früh oder auch in der Nacht bei meinem Bett und geben mir die Chance es so zu machen, wie es uns allen guttut.

 

Denkt ihr euch auch oft, dass der Alltag und der Rhythmus euch im Griff haben? Was macht ihr, um dem entgegenzuwirken? Tipps, Tricks und Anregungen sehr willkommen 🙂 

 

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