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Lachen oder Schimpfen… vielleicht wird das Kind ein Künstler?

Lesezeit: 4 Minuten

Unsere großen und kleinen verkannten „Künstler“

Kennt ihr alle die Werbung mit dem Kunstbild an der Wand, wo das kleine Kind zu der Form einen Schwanz dazumalt und ganz stolz sagt „Schau, ich hab eine Katze gemalt“. Ich fand diese Werbung spitze und musste immer lachen und fand das Kind ganz toll, wie kreativ der kleine Künstler ist und man muss es doch mit Humor nehmen. Wer wird da schon groß schimpfen?  (Wer sich nicht erinnern kann – hier der Link )

Nun sitze ich hier an meiner Küchentheke und denke über meinen heutigen Tag nach. Einer meiner beiden Zwillingszwerge ist heute zu mir in die Küche gelaufen und hat ganz aufgeregt berichtet:

„Mama, auf unserer Wand im Zimmer sind jetzt rote Berge“ 

Ja, was sagt man dann? Ich muss nicht einmal ins Zimmer gehen um zu kombinieren, dass die Filzstifte die vor kurzem zum Malen mitgenommen wurden Zweckentfremdet wurden. Auf die Frage wer es gewesen ist – niemand. Aha.

Als Elternteil wächst und lernt man täglich 

Seit bald zwei Jahren gondel ich mit den drei Kids alleinerziehend durch den Alltag und seit einiger Zeit in neuer Konstellation als Patchworkfamily mit meinem Partner und seinem kleinen Sohn. Da wir auch nicht zusammen wohnen, hat jeder seine eigene Arbeit mit der Beziehung zum Nachwuchs und auch zum Nachwuchs des anderen. Bevor wir 123viele.at ins Leben gerufen haben, habe ich versucht Arbeit, Haushalt, Uni, Kids, Leben und alles was noch anfällt unter einen Hut zu bekommen und habe einiges nur halbherzig ausführen können. Mit Beginn der „Blog-Ära“ habe ich meine Prioritäten neu sortiert und somit mein Wachstum als Mama wieder mehr in Angriff genommen. Darunter fällt der große Punkt „Konfliktbewältigung“ mit den Kindern. Zu dem Thema kommt bald ein extra Artikel 😉 

Lachen, Schreien oder Weinen?

Nachdem ich mir vorgenommen habe weniger zu schimpfen und laut zu sein, hole ich also tief Luft und versuche meine pädagogische Seite, die sich gerade ganz fest versteckt hat, zu finden. Alle Tipps und Tricks der gelesenen Beiträge übers Schimpfen herauszukramen war der nächste Schritt. Aber man muss hier ehrlich sein: Die antiautoritäre „Meine Kinder dürfen sich immer und überall entfalten ohne auf Empfindungen anderer zu achten“ Politik ist nicht ganz mein Verständnis von „Erziehung“. Nach einer Standpauke bekommt der Zwerg, der sich dann doch als der Künstler geoutet hat, ein nasses Tuch in die Hand gedrückt. Er darf mal versuchen ob die Wand wieder weiß wird. Nachdem er mit seinen vier Jahren erkannt hat, dass es eben nicht einfach wegwischen geht, ist er doch sehr geknickt. 

Die Kunst der Künstler

Wir sitzen also gemeinsam am Bett und begutachten die Wand. Ich musste sehr viel darüber nachdenken, was ich mir als „Ideal-Elternteil“ immer zum Thema Förderung der Kreativität gedacht habe. Beginnt nicht jede große Künstlerkarriere mit einer gewissen Übertretung von Schranken und Verboten? Mir kommt die Frage in den Sinn, wie ich dem Drang des Kindes sich zu entfalten helfen bzw. fördern kann. Wollte ich doch immer, dass meine Kinder sich ausprobieren können und „outside the box“ ihre Fußspuren hinterlassen. Vielleicht waren genau diese roten Berge an der Wand der Beginn. Wir einigen uns darauf, dass wir ab jetzt die Stifte nur mehr am Papier verwenden oder auf „von Mama genehmigten Materialien“. Nachdem wir sowieso bald ausmalen wollen, haben wir auch gemeinsam schnell Ideen, wie wir die Wand gemeinsam gestalten können. Wieso nicht think big? 😉 

Auf der Suche nach dem gesunden Mittelweg

Wo liegt hier der Mittelweg? Im Nachhinein war ich doch so halbwegs stolz auf unseren Umgang mit der „Tat“. Durch das Abwischen hat er erkannt, dass nicht alles immer gleich behebbar ist und alles eine Folge und Konsequenz hat. Das Mama nicht begeistert war und auch ein bisschen böse, war auch in Ordnung. Authentizität ist in meinen Augen sehr wichtig. Wenn ich lächelnd über Aktionen schaue, obwohl ich innerlich brodel kann ein Kind das Gefühl nicht zuordnen. Also spiele ich in dem Fall lieber den „ErklärBär“ und sage deutlich, dass ich es nicht gut finde und ich ein bisschen böse bin. Nach seiner Erkenntnis haben wir kuschelnd darüber gesprochen und ich konnte ihm zeigen, dass ich ihn lieb hab auch wenn er sich einmal nicht gut benimmt. 

Nachdenken, besprechen, abhaken und anders machen

Mit jedem dieser kleinen und großen Hindernissen und Emotionsausbrüchen der Kinder wachsen wir und lernen. Ich versuche mir jeden Abend ein bisschen Zeit zu nehmen, um über die Geschehnisse des Tages nachzudenken und für mich zusammenzufassen, wo ich gerne anders reagiert hätte. Wenn mein Partner da ist oder mit der besten Freundin, besprechen wir die Dinge auch gemeinsam. Man verfällt sonst oft in eine gewisse Betriebsblindheit. Wenn man nicht beratungsresistent ist kann man sehr viel lernen von den Blickwinkeln der Menschen im nahen Umfeld. Nur so ist gemeinsames Wachstum möglich und der Spruch „Es braucht ein ganzes Dorf um Kinder groß zu ziehen“ kommt schließlich nicht von ungefähr. Und wenn ich mir die roten Berge auf der Wand näher anschaue, kommt das Kind in mir hoch und ich würde am liebsten etwas dazumalen: Bäume, Wolken, Sonne, mir würde ganz viel einfallen… pssst…gott sei dank können die Kinder das nicht lesen 🙂  

 

Wir freuen uns über euer Feedback – Austausch unter Gleichgesinnten kann sehr angenehm sein!

Seid mal ganz ehrlich: Wie oft hättet ihr bei gewissen Aktionen eurer Kinder gerne anders reagiert, aber es aus erziehungstechnischer Sicht nicht gemacht? 

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