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Über Empathie, Miterziehen und Raushalten

Lesezeit: 4 Minuten

Ich muss immer wieder schmunzeln wenn andere von einer strengen Erziehung sprechen, denn was genau das ist sieht bestimmt jeder anders.

Einer versteht darunter das beliebte Nasch- oder Fernsehverbot, ein anderer vielleicht die strengeren Regeln im Allgemeinen oder lässt das Kind schon mal in der Ecke stehen um nachzudenken. Viele von uns haben so ihre bestimmten Gedanken zu den Erziehungsmethoden anderer Eltern in ihrem Umfeld.

Und ich glaube ich spreche allen aus der Seele wenn ich sage, dass man auch selbst oft an den eigenen Methoden zweifelt oder sich einfach danach fragt, ob es jetzt richtig war so zu handeln.

Einbringen oder Raushalten

Als ich meine jetzige Partnerin „Die Frau“ kennenlernte, habe ich natürlich gewusst das sie Mutter von 3 Kindern ist und ich ein eigenes mitbringe. Aber jeder kennt die rosarote Brille, da macht man sich noch keine Gedanken: Mag ich die Kinder, mögen sie mich, wie wird es sein wenn es um Erziehungsthemen im Alltag geht, bei welchen Themen bau ich mich ein, bei welchen Dingen halte ich mich raus oder zurück.

Ich kann aus meiner eigenen Erfahrung sagen das die Frage wo man mitredet und wo man am besten aus dem Weg geht, auch gleich die Schwierigste ist. Außerdem ist es so das man sich dieser Frage meist öfters am Tag stellen muss.

In einem Vortrag zum Thema Erziehung wurde mal die Frage gestellt, welche Rolle der Stiefelternteil innerhalb des Familienverbunds haben soll. Die Antwort, die man auch immer wieder in Elternratgebern, Kindergärten aber auch von Elternberatungen bekommt, ist meist die gleiche. Man soll nicht miterziehen sondern der Kumpel sein. Also ich bin schon sehr gespannt wie lange das bei euch gut geht wenn ihr das probiert.

Ich stecke sehr oft fest, zwischen Situationen in denen ich die Kids gerne knutschen würde als wären sie meine eigenen, und solchen die mir die Entscheidungen sehr schwer machen.

Beispiel:

Ich komme nach ein paar Tagen Abwesenheit bei der Türe rein, die Jungs überfallen mich gleich mit Freuden-Rufen und zerren mich in alle Richtungen, um mir alles mitzuteilen was ich so verpasst haben könnte.
Da könnte ich sie einfach für „Süß“ auffressen.

Aber stellt euch vor eure Partnerin spielt, beschäftigt und bietet den Kids wirklich viel. Ihr kommt in eine Situation in der es darum geht das sie etwas zu den Kids sagt und diese sie einfach nicht ernst nehmen und ignorieren.

Wie geht ihr hiermit um?

Zurückhalten ist keine Option mehr

Anfangs habe ich mich hier wirklich einfach rausgenommen und gar nichts gesagt, getan oder bewertet. Mittlerweile bin ich sehr viel bei ihr und den Kids, werde also öfters mit solchen Szenen konfrontiert und kann mich einfach nicht mehr halten.

Ich werde richtig sauer, wenn sie so frech und wirklich undankbar sind, es kostet wirklich viel Kraft auf die Bedürfnisse von 3 Kids einzugehen und bei einigen Bedürfnissen kann ich nicht helfen also muss Mama ran.
Wenn man aber sieht das am Ende eines sehr langen Tages mit spielen, malen, basteln, Ausflügen und co, die Kids die einfachsten Regeln, die ihnen sehr lange schon klar, sind einfach nicht mehr befolgen, will ich helfen.

Beispiel:

Morgens gemeinsames Spielen und Bücher lesen in den Zimmern, Mittags gemeinsames Kochen und Backen. Zwischendurch nimmt sie sich für jeden einzelnen Zeit um auf die Wünsche einzugehen. Dann tanzt immer eine/r frech aus der Reihe. Es gab sowieso schon mehr zu Naschen als üblich und trotzdem wird noch heimlich Naschzeug geklaut oder unverschämt geantwortet, wenn einmal etwas von den Kindern verlangt wird (Wie ruhig beim essen zu sitzen für 10 Minuten)

Oft stehe ich dann hier und bin mir unsicher, ob es wirklich eine Hilfe wäre wenn ich mich jetzt einmische, etwas sage und noch viel schlimmer wird es, wenn ich etwas sage und die Kids mich dann ignorieren, nicht ernst nehmen oder sich auch lächerlich darüber machen.

Die Erziehung „fremder“ Kinder

Es ist ein Gefühl der Unfairness, wie man zu den Patchworkkids in bestimmten Konfrontationen ist. Manchmal bzw. oft frage ich mich, ist das gerade gerecht wie ich zu ihnen bin? Würde ich jetzt bei meinen eigenen Kindern auch so agieren? Habe ich vielleicht einfach zu wenig Empathie oder Gefühle ihnen gegenüber?

Es ist eine verfahrene Situation, denn man möchte irgendwie das zusammenleben einfacher gestalten indem man sich bei Haushalt, Kinder und co einbringt. Aber man will sich auch nicht „einmischen“ oder mit der Partnerin in Konflikt kommen.

Beispiel:

Abendritual sah so aus, dass ich mit den Jungs Baumaschinen imitiere am Weg zum Zähneputzen und zurück ins Bett. Dann aber ist es nicht genug und einer meint wieder den Bogen überspannen zu können.

Turnt herum, schreit, äfft nach und provoziert. Natürlich ist hier auch handeln gefragt. 

Also wenn man mal einen Schritt zurück geht und darüber nachdenkt kennt man die Antwort eigentlich längst.
Man muss sich auch bei der Erziehung einbringen, denn schließlich will man zusammenleben und vielleicht sogar gemeinsame Kinder haben. Was aber klar sein muss, jeder hat andere Vorstellungen zu Erziehungsthemen und genau darüber muss man reden, sehr viel reden.

Aber BITTE BITTE BITTE, niemals vor den Kids eine Reaktion oder Entscheidung des Partners in Frage stellen.
Findet sie es nicht OK wie ich gehandelt habe, so reden wir später darüber wie es für sie passender gewesen wäre.

Seid ihr in ähnlichen Situationen gewesen?
Wie regelt ihr das zuhause mit der Erziehung, der nicht eigenen Kindern?

Eure Meinung interessiert mich wirklich brennend.

Comments (2):

  1. Claudia Schach

    5. April 2019 at 14:37

    Hallo, ich kenne das ganze sehr gut. Ich selbst habe 2 Söhne im Alter von 5 und 7 und mein Lebensgefährte einen Sohn( der wird jetzt 10).
    Sein Sohn lebt bei seiner Mutter und ist jedes zweite WE bei uns. Die Kinder untereinander verstehen sich sehr gut. Streiten sich auch fast nicht. Und wenn dann nur meine 2 untereinander.

    Unsere Erzoehungsmerhoden klaffen ganz schön auseinander. Ich erziehe meine Kinder, das es Regeln gibt an die man sich zu halten hat. Auch das man sein Zeig weggeräumt gehört dazu. Ebenso, das die Kinder nicht ewig wach bleiben dürfen am WE.

    Er sieht das hingegen total anders. Sein Sohn bekommt alles was er will, ohne was dafür tun zu müssen, weil mein Lebensgefährte Angst hat, das er dann vielleicht nicht mehr herkommen will.
    Die WE wenn die Kinder da sind, empfinde ich als sehr anstrengend. Ich bin damit beschäftigt, die ganze Zeit für Essen, Spaß und Unterhaltung zu sorgen, allen irgendwas hinterher zu räumen,…
    Wir beide haben schon desöfteren darüber besprochen, aber er sagt dann immer,das ich das alles nicht machen muss.

    Schwierig wird es für mich, wenn sein Sohn frech zu mir oder ihm ist. Und er nichts dazu sagt. Ich habe das Gefühl, mir steht es nicht zu, etwas zu sagen. Auch aus dem Grund, das sein Sohn sehr verweichlicht wird- im Sinne von, alles negative wird von ihm ferngehalten.
    Aber auf der anderen Seite werden alle mögliche Sachen mit ihm besprochen und es wird von ihm Verständnis verlangt, was er in seinem Alter noch gar nicht versteht bzw verstehen kann.

    Wenn es nach seinem Sohn gehen würde, würde er das ganze WE vorm der Spielekonsole sitzen und zocken. Denn das war der Fall, bevor wir zusammen gezogen sind.
    Meine hingegen spielen auch mal (!) auf dem Tablet etc. Aber sie sind auch viel draußen oder spielen in ihrem Zimmer.

    Alles in allem, ist es wirklich schwierig, sich da nicht einzumischen. Zumal ich es teilweise unfair meinen Kindern gegenüber finde. Und ich werde nicht, meine Erziehung über den Haufen werfen, nur weil sein Sohn hier Narrenfreiheit hat.
    Wir müssen und werden viel darüber sprechen. Und irgendwie einen Kompromiss finden müssen. Damit keiner sich benachteiligt fühlt. Oder bin ich da zu streng? Zu kritisch?

    Liebe Grüße
    Claudia

    Antworten
    • Der Mann

      6. April 2019 at 18:42

      Hallo Claudia,

      als Patchworkpapa verstehe ich beide Seiten.
      Er möchte in der wenigen Zeit mit seinem Kind der Held der Woche sein und nicht die kurze Zeit die es zu genießen gilt der Böse sein der Regeln und Verbote und Erziehung ausspricht. Jedoch tun wir den Kindern damit natürlich nichts gutes.

      Wichtig ist das ihr darüber sprecht. Wir z.b. setzen uns gerne mal abends zusammen und besprechen gewisse Situationen des Tages, meist finden wir Kompromisse die dann für beide zukünftig funktionieren. Das man sich immer 100% einig ist, klappt meist nicht und ist auch nicht wichtig. Die Kinder finden es oft sogar erfrischend wenn jemand anderes, frischen Wind hinein bringt.

      In diesem Sinne, bedanke ich mich für deinen tollen Kommentar und wünsche euch alles gute 😉

      Antworten

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