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Wutausbrüche bei Trennungskindern

Lesezeit: 3 Minuten Sie passen nicht in pädagogische Schubladen...
Lesezeit: 3 Minuten

Im Internet und bei allen Pädagogen gibt es unzählige Erklärungen und Tipps für Wutausbrüche und die beliebte Trotzphase, die unsere Kinder oft haben. Meiner Erfahrung nach sollte man hier Wutausbrüche bei Trennungskindern explizit anders betrachten und können nicht automatisch immer gleich in die Trotzphasenkategorie gegeben werden. 

Ein Beispiel:

Mein Jüngster hat seit Neuestem das Verhalten, dass er nicht nur extrem wütend wird, sondern schreiend und weinend ins Zimmer läuft und laut ruft „ Ich bin immer an allem Schuld“ Ganz ehrlich, niemand hat ihm je oder in seiner Gegenwart die Schuld für irgendetwas gegeben. 

Man muss hier kein Psychologe sein, um zu wissen dass diese heftigen Reaktionen im seltensten Fall etwas mit einer normalen kindlichen Trotzphase zu tun haben. Er ist fünf und kann die Trennung emotional nur in ganz seltenen Momenten fassen. Fragt man nach dem Grund für sein Gefühl immer schuld zu sein, hat er schlichtweg keine Erklärung dafür.

Meist passieren solche Wutausbrüche nicht in ruhigen Wochenendstunden, sondern unter der Woche, wo Arzttermine, Kindergarten, Arbeit etc. den Tag bestimmen. Dass erhöhte Stresslevel lässt bei uns Erwachsenen schon die Emotionen hoch gehen, für Kinder ist es dann noch einmal schwieriger sich in irgendeiner Form selbst zu regulieren. 

Oft fällt es uns wahnsinnig schwer in solchen Situationen verbal „Gewaltfreie Kommunikation“ anzuwenden und uns empathisch ins Kind zu versetzen. Oft ist es aufgrund der Situation auch nicht möglich es „auszusitzen“.

Beispiel:

Vier kleine Kinder und zwei Erwachsene, die in Kindergarten, Schule und Arbeit müssen. Wenn möglich bitte auch pünktlich, gut angezogen und mit allem ausgestattet. Wenn in dieser Situation ein Wutausbruch passiert, ist es schier unmöglich es zeitlich auszusitzen. Wir hatten heute das Problem, dass der kleine Mann seine neuen (bis dato ach so coolen) Herbstschuhe nicht anziehen wollte. Es war ihm egal, dass alle anderen schon fertig draußen waren oder dass draußen alles feucht ist. 

Auch wenn man dafür ist Emotionen zuzulassen und dem Kind die Möglichkeit geben möchte die Situation ohne Streit durchzustehen, es war in dieser Situation einfach nicht möglich. Oft geht man dann Kompromisse ein oder verspricht Belohnungen, wenn man dann einfach pünktlich aus dem Haus kommt. 

Mein 14 Tage self-change-program

Ich bin heute bei Tag 9 meiner neuen Versuchsreihe angelangt. Und gerade bei Trennungskindern ist „Zeit“ der entscheidende Faktor. Nur in der Früh kann ich langfristig nichts an der Situation ändern, dass wäre zu wenig. So habe ich mir 14 Tage genommen an denen ich einige Expertentipps und mein eigenes Bauchgefühl anwende. Jesper Juul (und einige andere) haben oft betitelt: „Kindern spiegeln ihre Umgebung“. Also beginnt das Verändern an meiner Person.

Ministep 1

Mein erster Schritt war die absolute Reduktion von Stresssituationen. Am Beispiel unseres turbulenten Morgens, werden die komplette Jause und die Kleidung bereits am Abend hergerichtet. Die Kleiderwahl wird mit den Kindern gemeinsam gemacht, damit es in der Früh zu keinen Streitereien über das coolste T-Shirt kommt.

Ministep 2

Ich organisiere meine Termine, wer wen wann von wo abholt und meine Tasche am Abend, damit die Brieftaschen- und Schlüsselsuche in der Früh nicht problematisch wird. Auch die Tagesplanung versuche ich so zu legen, dass so wenig wie möglich Zeitdruck entsteht. Wir strahlen als Erwachsene den Zeitdruck aus und Kinder, die emotional nicht stabil sind aufgrund der Situationen, flirren dann richtig und sind kleine Nervenbündel. Egal ob es das Abholen vom Kindergarten ist oder die Fahrt zum Turnen oder Fußball, mit genügend Zeit hat man die Möglichkeit Wutausbrüche gemeinsam in Ruhe durchzustehen ohne unnötige und falsche Kompromisse einzugehen.

Ministep 3

Die Ablenkungssituation spielt eine ausschlaggebende Rolle. Bei mir als Elternteil achte ich gezielt darauf „bewusste Zeit“ mit den Kindern zu verbringen. Ich merke die Verbesserung allein mit bewussten 30 Minuten pro Kind, für die man immer irgendwo Zeit hat. Egal ob man sich bei Pinterest eine Malvorlage ausdruckt und dem Kind beim Malen Gesellschaft leistet oder eine Runde Memory spielt, diese bewusste Zeit signalisiert einfach Aufmerksamkeit und Raum für Mama/Papa Kind Zeit. In dieser Zeit stelle ich bewusst Fragen, wie der Tag war, welche Freunde lieb oder blöd waren und was das Kind denn gerne mal machen würde. Wir planen dann vielleicht auch einen Ausflug oder ähnliches. Signalisiert dem Kind wieder dass seine Meinung wichtig ist und dass Selbstbestimmung erwünscht ist.

Ministep 4

Von einer anderen Expertin hört man: Bei Wutausbrüchen bei Trennungskindern erhöhe hier auch den Körperkontakt. Ein liebevolles über den Kopf streicheln, auf den Schoß nehmen (egal ob es schon ein Volksschulkind ist 😉 ), ein Bussi hier und da. Den Kindern zeigen, wie lieb man sie hat, egal wie die Situation zwischen den Eltern und dem Umfeld ist.

 

Fazit der „Wutausbrüche bei Trennungskindern“

Dies sind zum Beispiel langfristige „Vorbeugemaßnahmen“ für Wutausbrüche bei Trennungskindern. Sie fühlen sich schuldig, verstehen die Angelegenheit nicht und haben noch keine Ventile für ihre Emotionen.  Meist können sie die Gefühle nicht einmal beschreiben oder benennen. Alle meine drei Kids brauchen einen anderen Zugang und Fingerspitzengefühl. Ich schaffe es nicht immer dies zu bewältigen, aber ich habe Tag 9 erreicht und es spielt sich gut ein. In meinem nächsten Blog verrate ich euch noch, welche Tricks wir anwenden, um den Kindern Ventile anzubieten bzw. was wir in den Situationen machen, um gemeinsam einen Ausweg aus den Emotionen zu zeigen.

 

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